Ein neuer Report von jugendschutz.net konstatiert, dass auf Spotify Inhalte mit Verherrlichung von Suizid, sexualisierter Gewalt gegen Kinder und verfassungswidrigen Symbolen frei abrufbar seien. Auch Meldemöglichkeiten und Filteroptionen würden laut dem Report nur unzureichend funktionieren.
Umfang der Plattformnutzung und Risiken
Spotify zählt nach Angaben der Quelle über 696 Millionen aktive Nutzer. In Deutschland nutzen 85 Prozent der Jugendlichen einen Musikstreamingdienst im Schnitt etwa zwei Stunden täglich; bei 13 Prozent zählt Spotify zu den wichtigsten Anwendungen. Der Empfehlungsalgorithmus passe Musikvorschläge dem individuellen Geschmack an und ermögliche das Teilen von Playlists – zugleich öffne dies Wege zu problematischen Inhalten.
Jugendschutz.net dokumentierte verschiedene problematische Inhalte, darunter:
- Lieder rechtsextremer oder demokratiefeindlicher Inhalte
- Nutzernamen oder Playlists mit verbotenen Parolen oder Gewaltaufrufen
- Liedtexte mit expliziten Gewaltdarstellungen
- Texte und Benennungen mit Bezügen zu sexueller Gewalt gegen Kinder
- Inhalte, die Suizid, Selbstverletzung, Drogenkonsum oder Essstörungen positiv darstellen
- Pornografische Darstellungen (Comic-Stil), erotische Hörbücher und Cover mit Gewaltdarstellungen
Einschränkungen bei Alterskontrollen und Filterfunktionen
In den Nutzungsbedingungen heißt es, Nutzer müssten mindestens 18 Jahre alt sein; ab 16 Jahren sei eine Nutzung mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten möglich. Spotify nimmt jedoch keine Altersprüfung vor.
Nach Registrierung bestehe Zugriff auf sämtliche Inhalte – auch solche, die mit „Explicit“ bzw. „E“ gekennzeichnet sind. Filter- und Blockierungsfunktionen seien begrenzt. Vollständige Ausblendung unangemessener Inhalte und die Erstellung eines Spotify-Kids-Account seien an ein kostenpflichtiges Abo gebunden (im Recherchezeitpunkt: 17,99 € monatlich, entsprechend über 200 € jährlich).
Unzufriedenstellendes Meldesystem
Der Report kritisiert, dass das Meldesystem durch unnötige Hürden erschwert sei: Nutzer müssten Codes per E-Mail abrufen, und ab drei Meldungen werde der Prozess pausiert. Bei der Untersuchung meldete jugendschutz.net 78 Verstöße (z. B. wegen Volksverhetzung, Pornografie, Jugendgefährdung). Nach einer Woche entfernte Spotify weniger als die Hälfte. Auch nachdem jugendschutz.net sich als offizielle Meldestelle auswies, wurde lediglich ein weiterer Inhalt gelöscht.
Vorschläge zur Verbesserung
Jugendschutz.net nennt mehrere mögliche Maßnahmen:
- ein funktionierendes und benutzerfreundliches Meldesystem
- strengere Kennzeichnung expliziter Inhalte
- Voreinstellungen, die problematische Inhalte standardmäßig ausblenden
- vollständige Klassifizierung aller Inhalte zur Steuerung nach Altersgruppen
Tipps für Eltern
Der Report weist darauf hin, dass Spotify laut Nutzungsbedingungen erst ab 16 Jahren erlaubt ist. Eltern könnten:
- mit ihren Kindern über mögliche Risiken sprechen
- erkundigen, welche Inhalte das Kind nutzt
- explizit gekennzeichnete Lieder in den Einstellungen ausblenden
- prüfen, ob das kostenpflichtige Spotify-Angebot sinnvoll ist
- unangemessene Inhalte bei Spotify oder über jugendschutz.net melden
Zusätzlich können Eltern oder Erziehungsberechtigte bei Problemen mit Online-Diensten kostenlose Musterbriefe für Beschwerden verwenden, um Anbieter formell auf Verstöße hinzuweisen oder Löschungen zu verlangen.
