Wirtschaft 2026 im Fokus: Maßnahmen und Ausblick

Bundeskanzler Friedrich Merz hat beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau sowie der Handwerkskammer Halle die wirtschaftlichen Schwerpunkte der Bundesregierung für das Jahr 2026 skizziert. In seiner Rede ging er auf die wirtschaftliche Lage, geplante Entlastungsmaßnahmen und strukturelle Herausforderungen ein.

Merz verwies auf Veränderungen in der globalen Wirtschaftsordnung und bezeichnete die aktuelle Situation als Phase des tiefgreifenden Wandels. Die Region Halle-Dessau hob er als wirtschaftlich gewachsenes Zentrum seit der Wiedervereinigung hervor, was er den mittelständischen Unternehmen, dem Handwerk und der Industrie zuschrieb.

Migration und Arbeitsmarkt

Zum Thema Migration erklärte Merz, die Bundesregierung wolle irreguläre Zuwanderung weiter reduzieren. „Wir haben die Zahlen zum Ende des Jahres 2025 bereits halbiert“, sagte der Kanzler. Gleichzeitig betonte er, Deutschland solle weiterhin Menschen aufnehmen, die im Land arbeiten und zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen möchten.

Merz berichtete zudem von seinem Besuch in Indien. Dort habe er nach eigenen Angaben sowohl Kooperationsinteresse im Bereich Hochtechnologie als auch Interesse junger Fachkräfte an Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland identifiziert.

Wirtschaftliche Ausgangslage und erste Indikatoren

Merz sprach von einer angespannten wirtschaftlichen Lage zu Beginn des Jahres 2026, verwies jedoch auf aus seiner Sicht positive Entwicklungen. Dazu zählte er eine Inflationsrate von unter zwei Prozent zum Jahresende 2025, einen deutlichen Anstieg von Start-up-Gründungen sowie steigende Auftragseingänge in der Industrie in den Monaten November und Dezember.

Laut Merz entstehen neue Arbeitsplätze in neuen Branchen, gleichzeitig seien etablierte Industriezweige unter Druck. Die Bundesregierung wolle diesen Strukturwandel begleiten und die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessern.

Entlastungen bei Energie- und Bürokratiekosten

Merz kündigte an, dass die Energiekosten für Unternehmen im Jahr 2026 um rund zehn Milliarden Euro geringer ausfallen sollen. Dies solle unter anderem durch eine genehmigte Kraftwerkstrategie, Strompreiskompensation und den Industriestrompreis erreicht werden. Zudem werde die Gasspeicherumlage künftig aus dem Bundeshaushalt finanziert.

Zur Bürokratieabbau-Agenda nannte er geplante und bereits verabschiedete Maßnahmen, darunter Erleichterungen im Lieferkettengesetz sowie ein neues Planungsbeschleunigungsgesetz. Ziel sei es, Genehmigungs- und Bauprozesse deutlich zu verkürzen.

Europäische Union und Wettbewerbsfähigkeit

Der Kanzler kündigte für den 12. Februar 2026 einen Sonderrat der EU-Staats- und Regierungschefs an. Dort soll laut Merz beraten werden, wie die europäische Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden kann. Er kritisierte zugleich einen aus seiner Sicht zu hohen Regulierungsgrad in der EU, der wirtschaftliche Prozesse verlangsame.

Merz stellte in Aussicht, regulatorische Vorgaben zu reduzieren und den Binnenmarkt wieder stärker auf Freizügigkeit und wirtschaftliche Offenheit auszurichten.

Steuern, Arbeitskosten und Anreize zur längeren Erwerbstätigkeit

Merz bezeichnete Deutschland als Hochsteuerland und verwies auf seit 2025 geltende erweiterte Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmensinvestitionen. Diese sollen nach Regierungsangaben bis 2027 fortgeführt werden.

Zur Arbeitsmarktpolitik erklärte Merz, dass seit dem 1. Januar 2026 Beschäftigte über das gesetzliche Rentenalter hinaus ohne vorherige Einschränkungen weiterarbeiten können. Für diese Gruppe gilt laut Merz ein steuerfreier Zusatzverdienst von bis zu 2.000 Euro pro Monat. Ziel sei es, Anreize für längere Erwerbstätigkeit zu schaffen.

In diesem Zusammenhang sprach Merz auch davon, dass Deutschland ein Hochsteuerland sei und die Steuerlast der Unternehmen gesenkt werden müsse. Er verwies auf bereits beschlossene Maßnahmen zur Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen.

Reformen in Sozial- und Gesundheitssystemen

Für das Jahr 2026 kündigte Merz Reformvorschläge in Rentenversicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung an. Diese sollen nach seiner Darstellung auf Basis von Kommissionsberichten entwickelt und anschließend politisch umgesetzt werden. Hintergrund seien demografische Entwicklungen und steigende Kosten im Gesundheitswesen.

Merz bat Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen um Beteiligung an der Diskussion, um die langfristige Finanzierung des Systems sicherzustellen.

Aussicht auf 2026

Zum Abschluss betonte Merz laut Redeprotokoll, die wirtschaftliche Basis Deutschlands sei weiterhin stabil. Die Bundesregierung strebe an, Reformen umzusetzen und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu erhöhen. Frieden und Stabilität in Europa bezeichnete er dabei als zentrale Rahmenbedingung.