Im zweiten Halbjahr 2025 ist der Zahlungsverzug bei Rechnungen im B2B-Geschäft in Deutschland weiter zurückgegangen. Die durchschnittliche Verzugsdauer sank auf 7,50 Tage. Im Jahr 2022 lag die Überfälligkeit laut Creditreform noch bei nahezu elf Tagen.
Gleichzeitig wurden die Zahlungsziele ausgeweitet. Damit erhielten Kunden mehr Zeit, ihre Rechnungen innerhalb der vereinbarten Frist zu begleichen. Creditreform führt aus, dass sich dadurch die gesamte Außenstandsdauer insgesamt nicht verkürzt hat.
Zahlungsziele auf Siebenjahreshoch
Das durchschnittliche Zahlungsziel betrug im zweiten Halbjahr 2025 nach Angaben von Creditreform 32,13 Tage und lag damit um 0,91 Tage über dem Vorjahreswert. Creditreform zufolge waren die Zahlungsfristen in Deutschland seit mehr als sieben Jahren nicht mehr so lang.
Von der Verlängerung der Zahlungsziele profitierten demnach vor allem große Unternehmenskunden. Kleine und mittlere Unternehmen erhielten laut Creditreform meist keine längeren Zahlungsfristen; in einzelnen Fällen seien die Fristen sogar verkürzt worden.
Forderungslaufzeit bleibt bei rund 40 Tagen
Die gesamte Forderungslaufzeit, bestehend aus Zahlungsfrist und Überfälligkeit, lag im zweiten Halbjahr 2025 durchschnittlich bei 39,63 Tagen. Damit blieb der Wert im Vergleich zum Vorjahreszeitraum unverändert. Creditreform sieht als wesentlichen Faktor für die im Vergleich zu früheren Jahren niedrigere Außenstandsdauer die verkürzte Verzugsdauer.
Jörg Urbscheit, Business Analyst im Debitorenregister Deutschland (DRD), erklärte, dass Lieferungen und Dienstleistungen im Schnitt „40 Tage und mehr“ vorfinanziert werden müssten und eigene Reserven knapper würden. Er begründete damit das Interesse an schnelleren Zahlungseingängen und kürzeren Forderungslaufzeiten.
Eine Verkürzung der Abläufe sei jedoch nicht in allen Branchen zu beobachten. Creditreform nennt längere Laufzeiten bei Rechnungen an das Metall- und Elektrogewerbe sowie an Logistik- und Transportfirmen. Kürzere Zahlungsabläufe wurden laut Mitteilung dagegen im Großhandel, im Baugewerbe und bei Unternehmensdienstleistern festgestellt.
Durchschnittliche Rechnungsbeträge sinken
Der durchschnittliche Wert einer verspätet bezahlten Rechnung lag im zweiten Halbjahr 2025 bei 1.838 Euro. Creditreform bezeichnet dies als niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Für 2022 nennt die Mitteilung einen Wert von knapp 2.200 Euro.
Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, erklärte, die Wirtschaftslage habe zu einem „signifikanten Investitionsknick“ geführt; größere Transaktionen gingen zurück und durchschnittliche Rechnungsbeträge sänken. Laut Creditreform zeigte sich der Rückgang der Rechnungsvolumen in den vergangenen Monaten vor allem in der Metall- und Elektrobranche sowie im Großhandel.
Auch bei großen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten seien die Transaktionswerte zurückgegangen. Creditreform beziffert den Durchschnitt im zweiten Halbjahr 2025 auf 2.843 Euro, nach 3.206 Euro im Vorjahreszeitraum.
Insolvenzen und weniger überfällige Belege
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland erreichte 2025 laut Creditreform den höchsten Stand seit über zehn Jahren. In der Mitteilung heißt es, Lieferanten und Kreditgeber agierten daraufhin vorsichtiger, sodass weniger überfällige Belege gemeldet worden seien.
Im zweiten Halbjahr 2025 bezahlte jeder Schuldner im Durchschnitt zehn Rechnungen nach Ablauf der Zahlungsfrist. Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert laut Creditreform bei elf. Hantzsch erklärte, nach drei Jahren Stagnation drohten Lieferanten und Kreditgebern auch in den kommenden Monaten Zahlungsausfälle; zuletzt hätten vor allem Insolvenzen größerer Firmen zugenommen. Er verwies zudem auf das Risiko einer zu hohen Abhängigkeit von einzelnen Kunden („Klumpenrisiko“).
Datenbasis und nächster Termin
Für die Studie wertete die Creditreform Wirtschaftsforschung nach eigenen Angaben rund 3,8 Millionen Rechnungsbelege aus dem Creditreform Debitorenregister Deutschland (DRD) aus. Zu rund 1,17 Millionen Unternehmen liegen demnach Zahlungsinformationen im DRD vor; das gesamte Belegvolumen beziffert Creditreform auf rund 89 Milliarden Euro. Die Zahlen zum Zahlungsindikator beruhen laut Mitteilung auf überfälligen, aber ausgeglichenen Belegen.
Der nächste „Zahlungsindikator Deutschland“ soll im August 2026 erscheinen.